2020, ein Jahr des anderen Musizierens

Es fing mit einer super Mugge im Napoleon an. Alle tanzten, sangen mit und schwoften, als ob es keinen Morgen gibt. Es war ein ausgelassener Abend, an dem alles möglich schien.

Wir hatten Buchungen für ein breites Spektrum an Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilt. Auf viele Termine haben wir uns gefreut. Denn auf dem Plan standen neben vielen anderen eine Mugge im HaiLive, im Weinstübchen und in Tommies Pub. Wir waren zur Walpurgis in Elend, zum Waldbad in Flammen, für Silvester und zum Rock im Garten gebucht. Diverse Geburtstagspartys standen auch auf der Liste. Ein großes Highlight sollte die jährliche Männertagsrunde werden! Das 20-jährige Bandjubiläum. Sogar eine Reise nach Irland, der Flug war schon gebucht. Die Aussicht auf ein tolles Jahr war gegeben. Wir freuten uns auf viele tolle Abende mit fetzigen Menschen und vielen neuen Bekanntschaften.

Es wurde vieles anders. Der erste Lockdown führte zu einer ungewöhnlichen Ruhe. Wochenenden ohne Muggen, ohne lange, laute Nächte führten zu einer ungewollten Entschleunigung. Veranstaltungen wurden abgesagt. Das Jahr schien im Eimer zu sein.

Die letzte Band der Welt an der langen Hecke

Aber eins kam irgendwie zum anderen. An einem warmen Abend im Mai haben wir einfach unsere Anlage an der langen Hecke in Wernigerode aufgebaut. Mit genügend Akkus im Gepäck haben wir entspannt miteinander musiziert. Freunde waren auf Abstand mit am Start. Spaziergänger blieben stehen und hörten zu. Alle hielten Abstand. Doch auf Abstand zu musizieren fühlte sich echt komisch an. Wir leben von der Nähe und von einem engen Miteinander. Nach dreimonatiger Pause waren wir auch nicht mehr ganz eingespielt, da die Auftritte und die Routine fehlten.

Die letzte Band der Welt auf dem Schlosshof in Wernigerode

Das mussten wir ändern und spielten 2 Wochen später auf dem Hof des Schlosses ein zweistündiges Konzert. Wir wandelten unser Programm etwas ab und spielten nun auch viele Lieder von Gundermann, Hannes Wader, Reinhard Mey, Andreas Frege, Funny van Dannen und einigen anderen Liedermachern, weil wir an der Hecke begriffen hatten, dass die „Partymugge“ mit diesem riesen Abstand nur schwierig funktioniert. Es wurde ein schöner Abend und viele Zuhörer bedankten sich für die Musik und das spontane Konzert.

Straßenmusik

Auf der Straße ging es mit Straßenmusik weiter. Uns wurde ein weiteres Mal bewusst, dass Straßenmusik an sich die ehrlichste Art des Musizierens ist. Es gibt nur Zuhörer, wenn die Stücke gut interpretiert werden und flüssig rüberkommen. Die Straße ist ein fantastischer Proberaum und eine hervorragende Bühne. Kleine Kinder blieben stehen und lauschten, guckten uns mit großen Augen an. Die Alten freuten sich und lachten, wenn wir die Melodie von Pippi Langstrumpf spielten. Bei einigen wenigen kamen Tränen, wenn wir alte Stücke von City oder den Phudys spielten und an alte Zeiten erinnerten. Eltern lachten, wenn wir zu Ihren Kindern sagten: „Macht was aus euerem Leben, werdet Musiker.“

Wir machen´s auch ohne, Verstärker

Im Laufe des Jahres gaben wir einige Hutkonzerte ganz ohne Anlage im Weinstübchen, vor Tommies Pub und im HaiLive. Alles getreu dem Motto: „Wir machen’s auch ohne, Verstärker.“ Ohne Verstärkung ist alles viel leiser. Die „Power“ der PA vermissten wir Anfangs. Die Auftritte waren teilweise ruhiger. Dennoch waren wir öfters über die Dynamik unserer Instrumente und Stimmen erstaunt. Wir machten Späße mit unserem Publikum und fühlten uns ihm näher verbunden.

Eine größere Mugge, Waldbad in Flammen ist in diesem Jahr nicht ins Wasser gefallen. Um den Waldbadverein in diesem schwierigen Jahr zu unterstützen, verzichteten wir auf die Gage. Es wurde ein sehr schöner, ausgelassener Abend mit einer tollen Stimmung und wackeligen Bierbänken. Merke: „Eine gute Bierbank hält 2 betrunkenen, spielenden und hoch und runter springenden Musikern stand.“ Die Folgemugge steht und wir freuen uns auf die nächste Party in Elend.

Ein besonderes Highlight bildete unser Open Air Konzert am Wernigeröder Riesenrad. Durch viel Werbung bei Facebook haben über 20.000 Menschen unser Plakat gesehen. Sogar ein halbseitiger Artikel wurde über uns in der Volksstimme veröffentlicht. Pünktlich zum Konzertbeginn fing es nach zahlreichen Sonnentagen an, in Strömen zu regnen. Zum Glück war es sehr warm und unser Publikum blieb dennoch und tanzte im Regen. Es fühlte sich an wie ein Hauch von Muggernormalität.

Fast nur das Beste aus Ost und West

Den Männertag holten wir am 3. Oktober mit einer Wanderung zum Brocken nach. Die Instrumente hatten wir mit am Start. Von Schierke aus benötigten wir nur 7 Stunden bis zum Gipfel. Ständig blieben wir stehen und spielten nur fast das Beste aus Ost und West. Lieder von den Toten Hosen und den Ärzten fehlten selbstverständlich auch nicht. Den Abend ließen wir wie so oft im Weinstübchen ausklingen.

Es war ein verrücktes und etwas anderes Jahr. Oft kleiner und etwas intimer. Wir bedanken uns bei allen, die uns in diesem Jahr so toll begleitet und unterstützt haben und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen.

Text: Jens Henneberg und Alex Hunger

Bilder: Henrik Bollmann: 

https://www.instagram.com/henrik_bollmann/